Die acht Glieder – was „Ashtanga“ eigentlich meint
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„Ashtanga“ bedeutet „acht Glieder“. Der Name stammt aus dem Yogasutra des Patanjali, einem der Grundtexte des Yoga. Die Haltungen auf der Matte sind darin nur eines von acht Elementen – und nicht das erste.
EkamDas Yogasutra
Das Yogasutra ist eine Sammlung von knapp 200 kurzen Lehrsätzen, die einem Patanjali zugeschrieben werden. Wann es entstand, ist umstritten; die Schätzungen reichen über mehrere Jahrhunderte um die Zeitenwende. Im zweiten Kapitel werden acht Glieder des Yoga aufgezählt. Pattabhi Jois wählte diesen Begriff als Namen für seine Methode.
DveYama – der Umgang mit anderen
Fünf Grundsätze: Gewaltlosigkeit (Ahimsa), Wahrhaftigkeit (Satya), nicht stehlen (Asteya), maßvoller Umgang mit Sinnlichkeit und Energie (Brahmacharya) und nicht horten (Aparigraha). Auf der Matte beginnt Ahimsa ganz praktisch: sich selbst nicht in Haltungen zu zwingen.
TriniNiyama – der Umgang mit sich selbst
Wieder fünf: Reinheit (Shaucha), Zufriedenheit (Santosha), Disziplin oder innere Glut (Tapas), Selbststudium (Svadhyaya) und Hingabe (Ishvara Pranidhana). Tapas wird oft mit der täglichen Praxis in Verbindung gebracht – aber ohne Santosha, die Zufriedenheit mit dem, was heute möglich ist, wird Disziplin schnell zu Härte.
ChatvariAsana – die Haltung
Im Yogasutra heißt es sinngemäß nur, die Haltung solle stabil und angenehm sein. Von Serien oder Sonnengrüßen ist dort keine Rede. In der Ashtanga-Praxis sind die Asanas das Werkzeug, mit dem die anderen Glieder erfahrbar werden sollen. Welche Haltungen dazugehören, zeigt die Rubrik Asanas.
PanchaPranayama – die Lenkung des Atems
Pranayama umfasst Atemtechniken. In der Ashtanga-Praxis ist der gleichmäßige Ujjayi-Atem ständig dabei; eigene Pranayama-Übungen wurden traditionell erst Fortgeschrittenen vermittelt.
ShatPratyahara, Dharana, Dhyana, Samadhi
Die letzten vier Glieder führen nach innen. Pratyahara ist der Rückzug der Sinne von äußeren Reizen, Dharana die Konzentration auf einen Punkt, Dhyana die Meditation als anhaltender Fluss dieser Konzentration und Samadhi ein Zustand völliger Versenkung. Im Ashtanga werden Drishti und gleichmäßiger Atem als Übung für Pratyahara und Dharana verstanden: Der Blick bleibt an einem Punkt, der Atem an einem Klang. Mehr dazu unter Meditation.
Pattabhi Jois wird der Satz zugeschrieben, Yoga sei zu neunundneunzig Prozent Praxis und zu einem Prozent Theorie. Sinngemäß heißt das: Die acht Glieder erschließen sich eher durch Üben als durch Lesen – aber lesen schadet auch nicht.
SaptaWas das für die Praxis bedeutet
Wer die acht Glieder kennt, übt anders. Die Haltung wird nicht zum Leistungstest, sondern zum Ort, an dem man Geduld, Ehrlichkeit und Konzentration übt. Wie sich das in den Alltag übertragen lässt, steht unter Ashtanga im Alltag.
AshtauHäufige Fragen
Muss man die acht Glieder der Reihe nach üben?
Nein. Die Aufzählung ist eher eine Landkarte als ein Stufenplan. In der Praxis wirken die Glieder gleichzeitig: Wer auf der Matte gleichmäßig atmet, übt Pranayama; wer den Blick hält, übt Konzentration; wer sich nicht in eine Haltung zwingt, übt Ahimsa. Die späteren Glieder werden mit der Zeit greifbarer.
Sind die Yamas und Niyamas religiöse Gebote?
Sie stammen aus einem Kontext indischer Philosophie, lassen sich aber auch ganz weltlich lesen – als Grundsätze für einen achtsamen Umgang mit anderen und mit sich selbst. Niemand muss eine bestimmte Religion annehmen, um Ashtanga zu üben.
Wo kann ich das Yogasutra lesen?
Es gibt zahlreiche deutsche Übersetzungen mit Kommentar. Weil die Sutras sehr knapp sind, lohnt eine Ausgabe, die die einzelnen Sätze erläutert. Einen ersten Überblick bietet der Wikipedia-Artikel zum Yogasutra, der unter den Quellen verlinkt ist.