Ashtanga im Alltag – über die Matte hinaus
Aktualisiert am 3 Minuten Lesezeit
Eine Praxis am frühen Morgen verändert den Tag – und der Tag verändert die Praxis. Wer Ashtanga regelmäßig übt, merkt schnell, dass Schlaf, Essen und Termine mitreden. Hier geht es darum, wie beides zusammenpasst.
EkamDer Rhythmus
Wer morgens übt, muss abends früher schlafen. Das ist die unspektakulärste und wichtigste Veränderung. Ein fester Rhythmus aus Schlafenszeit, Aufstehen und Praxis spart Willenskraft: Man entscheidet nicht jeden Morgen neu, ob man übt, sondern steht einfach auf.
DveEssen und Praxis
Geübt wird mit leerem Magen. Wer morgens übt, frühstückt danach; wer abends übt, isst zwei bis drei Stunden vorher nur leicht. Spezielle Diäten schreibt Ashtanga nicht vor. Viele Übende stellen aber fest, dass schweres Essen am Vorabend die Praxis am nächsten Morgen spürbar schwerer macht – ein ziemlich ehrliches Feedback.
TriniWenn der Tag voll ist
- Kurzform: drei Sonnengrüße A, drei B, die letzten drei Haltungen der Abschlusssequenz, Ruhe. Zwanzig Minuten.
- Nur der Atem: zehn Minuten sitzen und ruhig atmen, wenn nicht einmal das geht.
- Nicht nachholen: Ein verpasster Tag wird nicht am nächsten doppelt geübt.
ChatvariYamas und Niyamas im Alltag
Die ethischen Grundsätze der acht Glieder klingen groß, lassen sich aber klein übersetzen:
| Prinzip | Auf der Matte | Im Alltag |
|---|---|---|
| Ahimsa – Gewaltlosigkeit | nicht in Haltungen zwingen | freundlicher Umgang, auch mit sich selbst |
| Satya – Wahrhaftigkeit | ehrlich mit Grenzen sein | sagen, was man meint |
| Santosha – Zufriedenheit | den heutigen Tag annehmen | weniger vergleichen |
| Tapas – Disziplin | regelmäßig üben | dranbleiben, wenn es unbequem wird |
| Svadhyaya – Selbststudium | den eigenen Körper beobachten | eigene Muster erkennen |
PanchaHaltung im Sitzen und Stehen
Die Praxis macht aufmerksam für den eigenen Körper. Viele merken, wie sie am Schreibtisch zusammensinken, und richten sich öfter auf. Ein paar bewusste Atemzüge oder eine Vorbeuge im Stand zwischendurch reichen, um den Faden der Morgenpraxis wieder aufzunehmen.
Ashtanga soll das Leben tragen, nicht es beherrschen. Wenn die Praxis zur Last wird – durch Schlafmangel, Schmerzen oder Druck –, ist es Zeit, sie anzupassen.
ShatDie Praxis zu Hause
Wer nicht jeden Tag in ein Studio kommen kann, übt zu Hause. Was dafür nötig ist, steht unter Der Übungsraum und Matte.
SaptaHäufige Fragen
Kann ich abends statt morgens üben?
Ja. Die Morgenpraxis ist Tradition, aber keine Pflicht. Abends ist der Körper oft beweglicher, dafür ist der Kopf voller. Wichtig ist, zwei bis drei Stunden vorher nichts Schweres zu essen und die Praxis nicht zu spät zu legen, damit der Schlaf nicht leidet.
Muss ich mich vegetarisch ernähren?
Nein. Viele Übende ernähren sich vegetarisch, oft aus ethischen Gründen im Sinne von Ahimsa, aber es gibt keine Vorschrift. Entscheidend ist, dass du dich mit deiner Ernährung gut fühlst.
Wie verbinde ich Praxis und Familie?
Oft mit kürzeren Einheiten, festen Tagen und der Bereitschaft, flexibel zu sein. Viele Eltern üben sehr früh am Morgen, bevor die Kinder aufwachen, oder an einigen Tagen gar nicht. Beides ist in Ordnung.